Catull, der leidenschaftliche römische Dichter des 1. Jahrhunderts v. Chr., bekannt für seine Liebesgedichte und beißende Invektiven, hegte eine besondere Verachtung für schlechte Dichter. Dieser Artikel taucht ein in Catulls Welt und untersucht seine Kritik an poetischer Mittelmäßigkeit und den kulturellen Kontext, der seinen Zorn schürte.
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Catull beim Vorlesen seiner Gedichte
Catulls Verachtung für schlechte Dichtung war nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks; sie spiegelte eine umfassendere literarische Landschaft wider, die von sich wandelnden ästhetischen Ansprüchen und einem heftigen Wettbewerb geprägt war. Der Aufstieg der neoterischen Dichter, die hellenistische Einflüsse und kürzere, geschliffenere Formen bevorzugten, stand im Konflikt mit dem traditionellen epischen Stil früherer römischer Dichter. Catull, fest im neoterischen Lager verankert, sah die ungeschickten Verse seiner Rivalen als einen Affront gegen wahre Kunstfertigkeit.
Das Saturnalien-Geschenk: Schlechte Dichtung als Präsent
Eine amüsante Anekdote verdeutlicht Catulls Abneigung gegen poetische Mittelmäßigkeit. In Gedicht 14 berichtet er, dass er von seinem Freund Licinius Calvus eine grauenhafte Gedichtsammlung als Saturnalien-Geschenk erhalten habe, ein Streich, der vom Poetaster Sulla eingefädelt wurde. Catulls übertriebene Reaktion – er behauptet, fast an Langeweile gestorben zu sein – unterstreicht seine geringe Toleranz für minderwertige Verse. Er rächt sich, indem er verspricht, Calvus mit ebenso schrecklicher Poesie zu quälen.
Obwohl Catull die spezifischen Mängel dieser Gedichte nicht analysiert, deuten seine Kommentare auf metrische Unzulänglichkeiten und einen allgemeinen Mangel an Raffinesse hin. Er bezeichnet diese Poetaster als „Plagen der Epoche“ und ihre Dichtung als „giftigen Müll“, womit er schlechte Dichtung mit Krankheit in Verbindung bringt – ein Thema, das in Gedicht 44 wiederkehrt, wo das Lesen einer schlecht geschriebenen Rede einen Hustenreiz auslöst.
Suffenus: Charmanter Mann, schrecklicher Dichter
Suffenus, ein weiteres Ziel von Catulls Kritik, stellt ein faszinierendes Paradoxon dar. Als charmanter, witziger und kultivierter Mensch beschrieben, verwandelt er sich in einen ungeschliffenen Langweiler, sobald er zur Feder greift. Catull verspottet Suffenus‘ produktive Schaffenskraft, seine unkritische Selbstbewunderung und die schiere Menge an Versen, die er produziert, und impliziert damit, dass Quantität nicht gleich Qualität ist.
Suffenus‘ poetische Schwächen, so Catull, rühren von seinem Festhalten an veralteten Konventionen her, wahrscheinlich denen des früheren römischen Epikers Ennius. Dieser stilistische Konflikt verstärkt die Kluft zwischen den Traditionalisten und den Neoterikern, wobei Catull einen verfeinerten und prägnanteren Ansatz vertritt.
Volusius und das „beschissene Blatt“
Volusius, Autor der Annales, erntet noch härtere Kritik. Catull bezeichnet sein Werk als cacata charta – ein „beschissenes Blatt“. Die Annales, wahrscheinlich ein langes, konventionelles Gedicht, verkörpern den ungeschliffenen und faden Stil, den Catull verabscheute. In Gedicht 36 verlangt er Volusius‘ Werk als Teil eines Gelübdes an Venus, um es als Opfergabe zu verbrennen – die ultimative Beleidigung für einen Dichter.
Mamurra: Der Politiker als Dichter
Selbst mächtige Persönlichkeiten waren nicht immun gegen Catulls poetische Spitzen. Mamurra, ein wohlhabender Politiker, der mit Julius Caesar in Verbindung gebracht wurde, versuchte sich offenbar in der Dichtkunst, sehr zu Catulls Belustigung. In Gedicht 105 schildert Catull, wie Mamurra versucht, den „Pimpleischen Berg“ (Olymp) zu erklimmen, nur um von den Musen hinabgestürzt zu werden.
Dieses Bild verspottet nicht nur Mamurras poetische Ambitionen, sondern spielt auch auf die literarische Fehde zwischen Kallimachos und seinen Kritikern an und positioniert Catull innerhalb einer größeren Tradition poetischer Rivalität. Die Ablehnung Mamurras durch die Musen symbolisiert seinen Mangel an Talent und seine Anmaßung, sich in die Reihen wahrer Dichter einreihen zu wollen.
Das Vermächtnis von Catulls Kritik
Catulls unerbittliche Angriffe auf schlechte Dichter bieten einen faszinierenden Einblick in die literarische Welt des antiken Roms. Seine Kritiken waren nicht nur persönliche Angriffe, sondern spiegelten eine dynamische Periode poetischer Innovation und stilistischer Debatten wider. Während die Werke seiner ins Visier genommenen „schlechten Dichter“ weitgehend verloren sind, bieten Catulls witzige und oft brutale Beurteilungen eine wertvolle Perspektive auf die sich ständig weiterentwickelnden Standards poetischer Exzellenz.



