Götter aus Stein in Salemis Poesie erkundet

Joseph S. Salemis Poesie taucht oft tief in die faszinierende Schnittmenge von klassischer Mythologie und künstlerischem Schaffen ein. Zwei Gedichte, „Isolde and the Men of Stone“ (Isolde und die Männer aus Stein) und „Demetrius, Maker of Gods, Recounts a Conversation with Saint Paul“ (Demetrius, Schöpfer der Götter, erzählt ein Gespräch mit dem Heiligen Paulus), veranschaulichen diese thematische Vorliebe auf wunderbare Weise und erforschen den Akt, unbelebtes Material mit göttlicher oder menschlicher Essenz zu durchdringen. Diese Erkundung wirft faszinierende Fragen nach der Natur der Schöpfung, des Glaubens und der anhaltenden Kraft antiker Mythen in der modernen Welt auf.

Isoldes irdische Wiederauferstehung

„Isolde and the Men of Stone“ beginnt mit einem Zitat aus Ovids Metamorphosen und bereitet damit die Bühne für eine Neuerzählung des Mythos von Deukalion und Pyrrha, die die Erde bevölkerten, indem sie Steine über ihre Schultern warfen. Salemis Isolde betreibt jedoch eine andere Art der Schöpfung. Sie sammelt die Überreste dessen, was als Deukalions Werk betrachtet werden könnte – Fragmente von Steinen, die Körperteilen ähneln – und kuratiert sie in ihrem Garten. Dieser Akt verwandelt sie in eine Sammlerin potenziellen Lebens, die Fragmente einer vergessenen Vergangenheit zusammensetzt.

Die Sprache des Gedichts ist reich an geologischen Bildern: „Quarzfleisch, geädert mit Feldspat, Achataugen,/Sandsteinhände…“. Diese Beschreibungen betonen die Materialität der Steine und stellen sie dem Leben gegenüber, das Isolde sich vorstellt, das sie enthalten könnten. Der „Jaspisbrocken, von gewundenen Dendriten durchzogen“, der das Gehirn repräsentiert, deutet auf die Komplexität des Denkens und Bewusstseins hin, während das „perfekte Stück/Aus vielfältigem Onyx, wie ein Herz“ den emotionalen Kern des Seins evoziert.

Isoldes Garten wird zu einem Raum, in dem die Grenze zwischen Unbelebtem und Belebtem verschwimmt. Die „offene Wunde“ der ausgehobenen Erde wird durch Unkraut geheilt, während Isolde ihre Steinsammlung kultiviert. Diese Gegenüberstellung deutet auf einen Kreislauf von Schöpfung und Regeneration hin, wobei Isolde an einer einzigartigen Form der Wiedergeburt teilnimmt, indem sie die Überreste einer mythischen Vergangenheit nutzt. Ihr Akt des Sammelns und Anordnens verleiht diesen Steinen eine neue Bedeutung und verwandelt sie von geologischen Proben in potenzielle Wesen.

Ein Dialog der Götter und des Glaubens

„Demetrius, Maker of Gods, Recounts a Conversation with Saint Paul“ bietet eine andere Perspektive auf die Erschaffung göttlicher Figuren. Hier verlagert sich der Fokus von gefundenen Objekten auf gefertigte Kunstwerke. Demetrius, ein Bildhauer, präsentiert dem Heiligen Paulus seine sorgfältig gestalteten Götter und hebt ihre Schönheit und die göttliche Essenz hervor, die er in dem Stein eingefangen zu haben glaubt.

Das Gedicht entfaltet sich als dramatischer Monolog, wobei Demetrius sein Pantheon zur Schau stellt: „Aphrodite, geformt in Alabaster“, „Thoth in schwarzem Obsidian“, „Osiris, gemeißelt in Porphyr“. Jeder Gott ist in einem bestimmten Stein dargestellt, dessen Material gewählt wurde, um seine Attribute und symbolische Bedeutung widerzuspiegeln. Dieses akribische Detail unterstreicht Demetrius‘ Ehrfurcht vor den Göttern und seine Fähigkeit, ihre Essenz einzufangen.

Demetrius‘ leidenschaftliche Verteidigung seines Handwerks steht in scharfem Kontrast zu Paulus‘ Ablehnung als Götzendienst. Paulus‘ Erwähnung „eines Altars für DEN UNBEKANNTEN GOTT“ führt eine theologische Herausforderung für Demetrius‘ polytheistische Weltanschauung ein. Das Gedicht endet mit Demetrius‘ ironischer Frage: „Ein Altar aus welchem Edelstein?“ Diese Frage hebt auf subtile Weise die anhaltende Spannung zwischen Glauben und künstlerischer Darstellung hervor und überlässt es dem Leser, über die Natur des Glaubens und die Macht menschlicher Schöpfung nachzudenken.

Die anhaltende Kraft von Mythos und Material

Beide Gedichte erforschen den Akt der Sinnstiftung durch die Interaktion mit physischen Materialien. Isolde findet potenzielles Leben in den Überresten der Erde, während Demetrius Stein mit göttlicher Präsenz durchdringt. Ihre Handlungen, die in der klassischen Mythologie verwurzelt sind, spiegeln das menschliche Verlangen wider, die Welt und unseren Platz darin zu verstehen, und beleuchten die anhaltende Kraft des Mythos und den fortwährenden Dialog zwischen künstlerischem Schaffen und spirituellem Glauben. Salemis meisterhafter Einsatz von Sprache und Bildsprache lädt uns ein, die komplexe Beziehung zwischen Materiellem und Spirituellem, Menschlichem und Göttlichem zu betrachten.