Das Sapphische Metrum, ein rhythmisches Echo aus dem antiken Griechenland, fasziniert und fordert Dichter bis heute heraus. Benannt nach der berühmten Dichterin Sappho von Lesbos (ca. 630-570 v. Chr.), fand dieses Versmaß, obwohl in Sapphos überlieferten Werken nur bruchstückhaft erhalten, Widerhall in der klassischen Literatur und beeinflusste Dichter wie Catull und Horaz. Sein Wiederaufleben im England des 17. und 18. Jahrhunderts, gefördert durch das Studium klassischer Sprachen an Universitäten wie Oxford und Cambridge, festigte seinen Platz in der literarischen Landschaft. Selbst literarische Größen wie Coleridge, Gewinner des „Greek Ode“-Preises von Cambridge, dichteten in diesem anspruchsvollen Versmaß.
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Die Herausforderung sapphischer Verse im Englischen
Die inhärente Schwierigkeit, das Sapphische Metrum an die englische Sprache anzupassen, hat seine Anziehungskraft auf Dichter wie Swinburne, Tennyson, Watts, Hardy und Kipling nur noch verstärkt. Ein Artikel, der Tennysons Faszination für die griechische Dichtung behandelt, hebt die Verbreitung sapphischer Verse hervor: „Das großartigste aller Versmaße“, erklärte Tennyson über das alkäische Metrum. Der Artikel stellt ferner fest: „Andere griechische und lateinische lyrische Versmaße wurden mit einigem Erfolg ins Englische übertragen. Das sapphische zum Beispiel: Dutzende englische sapphische Gedichte ab dem sechzehnten Jahrhundert bezeugen seine virtuelle Einbürgerung in die englische Tradition.“ (Project Muse). Dieser historische Kontext offenbart die anhaltende Anziehungskraft und das fortwährende Experimentieren mit dieser komplexen Form.
Hier ist ein Beispiel für Swinburnes „Sapphics“:
So the goddess fled from her place, with awful
Sound of feet and thunder of wings around her;
While behind a clamour of singing women
Severed the twilight.
Und ein gegensätzliches Beispiel von Isaac Watts, „The Day of Judgment—An Ode Attempted in English Sapphic“:
Such shall the noise be and the wild disorder,
(If things eternal may be like these earthly)
Such the dire terror, when the great Archangel
Shakes the creation,
Tears the strong pillars of the vault of heaven,
Breaks up old marble, the repose of princes;
See the graves open, and the bones arising,
Flames all around ’em!
Die Struktur des Sapphischen Metrums verstehen
Die rhythmische Struktur sapphischer Verse kann verwirrend sein. Poets.org bietet eine technische Erklärung: „Die ursprüngliche sapphische Form wurde durch das quantitative Metrum bestimmt… moderne sapphische Verse werden im akzentuierenden Metrum wiedergegeben… Die Hauptbausteine des Sapphischen Metrums sind Trochäen und Daktylen.“ Obwohl technisch korrekt, ist diese Beschreibung möglicherweise nicht für alle Leser leicht zugänglich. Eine vereinfachte Erklärung folgt.
Die gebräuchlichste englische Sapphische Strophe besteht aus vier Zeilen. Die ersten drei Zeilen folgen einem identischen Muster aus betonten (D) und unbetonten (d) Silben, wobei (a) eine Silbe darstellt, die beides sein kann, aber durchgängig so ist:
D d D (a) D d d D d D
D d D (a) D d d D d D
D d D (a) D d d D d D
d d D d
Betrachten wir noch einmal Swinburnes Beispiel mit hervorgehobenen betonten Silben:
**So** the **god**-dess **fled** from her **place**, with **aw**-ful
**Sound** of **feet** and **thun**-der of **wings** a**round** her;
**While** be**hind** a **clam**-our of **sing**-ing **wom**-en
**Sev**-ered the **twi**-light.
Beachten Sie die natürliche Pause nach der fünften Silbe in den ersten drei Zeilen und auf der ersten Silbe der letzten Zeile. Watts‘ Gedicht verwendet ein anderes Betonungsmuster bei der (a)-Silbe, was eine Pause auf der ersten Silbe jeder Zeile für einen flüssigen rhythmischen Fluss erfordert.
Zeitgenössische Beispiele und weitere Erkundung
Zahlreiche Dichter haben mit Variationen der Sapphischen Form experimentiert. Die Herausforderung besteht darin, die englische Sprache so zu manipulieren, dass sie in diese anspruchsvolle metrische Struktur passt und gleichzeitig den poetischen Ausdruck bewahrt. Die folgenden Beispiele verdeutlichen die Komplexität und die Möglichkeiten sapphischer Verse im Englischen.
John Lees satirischer Blick auf die Schwierigkeit, sapphische Verse zu schreiben:
Making Sapphics isn’t that easy, shackling
Our reluctant language with trochees. Since you
First begot them, songstress of Lesbos, keep them.
I’ll never write them.
John Tranter spiegelt diese Ansicht in „Writing in the Manner of Sappho“ wider:
Writing Sapphics well is a tricky business.
Lines begin and end with a pair of trochees;
in between them dozes a dactyl, rhythm
rising and falling,
like a drunk asleep at a party. Ancient Greek —
the language seemed to be made for Sapphics, not a
worry; anyone used to English finds it a
bastard.
Die Schwierigkeit des Sapphischen Metrums ist genau das, was Dichter weiterhin dazu anzieht, mit seiner Form zu experimentieren. Sind Sie bereit, die Herausforderung anzunehmen? Die Erkundung des Sapphischen Metrums bietet wertvolle Einblicke in das Zusammenspiel von Sprache und Rhythmus in der Poesie und verbindet uns mit einer reichen literarischen Tradition.