Yuppie-Weihnachten: Eine witzige Parodie des Weihnachtsklassikers

‚Twas the night before Christmas – so beginnt das berühmte Gedicht. Doch in dieser Parodie von John Jennings aus dem Jahr 1988, veröffentlicht im Tucson Citizen, ist von Besinnlichkeit keine Spur. Stattdessen erleben wir einen Weihnachtsabend im Zeichen von Konsum und Statussymbolen, typisch für die Yuppie-Kultur der 80er.

Ein humorvoller Blick auf eine Weihnachtstradition

Jennings ersetzt gekonnt die traditionelle Weihnachtsidylle durch die Attribute eines gehobenen Lebensstandards der 80er Jahre. Statt Zuckerpflaumen träumen die Protagonisten von Retin-A, mauvefarbenen Satinlaken und einer sechs Meter hohen Tanne im Wohnzimmer mit Kathedralendecke. Die Kindersocken am Kamin werden durch überquellende Kleiderschränke voller „geschmackvoller und trendiger Dinge“ ersetzt.

Ein Katalog der 80er-Jahre Exzesse

Der Humor des Gedichts liegt in der detaillierten Auflistung materieller Besitztümer. Die Wunschzettel der Kinder lesen sich wie eine Momentaufnahme der Konsumkultur der 80er: ein Lockenstab, ein Computer mit Festplatte, Designerklamotten, ein Dirtbike, Nintendo, ein Großbildfernseher, ein CD-Player, eine E-Gitarre. Selbst der Familienhund bekommt einen Designer-Hundepullover.

Auch die Eltern stehen dem in nichts nach und gönnen sich einen Nautilus-Heimtrainer, eine handgeschnitzte Haarbürste aus Knochen, ein BMW-Autotelefon, ein Cuisinart-System, einen Sushi-Maker und natürlich die neuesten Selbsthilfebücher. Dieser materielle Wahn gipfelt in den Geschenkwünschen des Erzählers: Golfschläger aus Graphitgold, eine Ledertasche mit seinem Namen und ein faltbares Kanu von L.L. Bean.

Der Überraschungsbesuch des Weihnachtsmanns

Der Höhepunkt des Gedichts ist der unerwartete Besuch des Weihnachtsmanns. Anstatt Geschenke zu bringen, drückt er jedoch seine Verwunderung über den bereits vorhandenen Überfluss der Familie aus. Er beklagt, dass sie bereits alles Erdenkliche besitzen und ihre Namen auf Wartelisten für noch nicht erfundene Geräte stehen.

Ein Kommentar zum Konsumverhalten

Der Abschied des Weihnachtsmanns, nicht mit einem „Frohe Weihnachten“, sondern einem „Yuppie-Weihnachten an alle und eine gute Nacht“, sorgt für einen satirischen Stich. Das Gedicht dient als sanfter, aber pointierter Kommentar zu den Auswüchsen des Konsumverhaltens und erinnert uns daran, dass der wahre Geist von Weihnachten nicht in materiellen Besitztümern liegt, sondern in etwas viel Tiefgründigerem.

Mehr als nur eine Parodie

Jennings‘ Gedicht ist mehr als nur eine Parodie. Es bietet eine witzige und aufschlussreiche Reflexion über den sich wandelnden kulturellen Kontext des späten 20. Jahrhunderts. Es erinnert uns daran, dass sich die äußeren Zeichen von Weihnachten zwar ändern mögen, die Grundwerte von Großzügigkeit, Mitgefühl und Verbundenheit jedoch zeitlos bleiben. Diese Parodie von „Twas the Night Before Christmas“ ist ein humorvolles und dennoch nachdenklich stimmendes Werk, das auch heute noch Anklang findet.